Die Halbinsel Eiderstedt ist einzigartig und vielfältig

Der Westerhever Leuchtturm, der sich in strahlendem Rot-Weiß präsentiert, rechts und links von zwei kleinen Häuschen flankiert, ist das überregional bekannteste Wahrzeichen Eiderstedts und weithin sichtbar. Das ist nicht wirklich verwunderlich, denn die Halbinsel Eiderstedt besticht durch die Weite der Landschaft und galt immer schon als reiches Marschenland mit seinen guten Böden, auf drei Seiten – von Hever, Nordsee und Eider - also vom Wasser umgeben.

Aus der Historie heraus entstand Eiderstedt aus drei Inseln: Hafrae (=Westerhever), Holm (=Utholm) und die Gegend um Everschop. Sie wuchsen zusammen und wurden um 1490 zu Eiderstedt. Allerdings geht die Besiedlung der Region schon auf das Jahr 400 bis 500 n.Chr. zurück. Westfriesen und Holländer kamen und mit ihnen ihr typischer Baustil. Mit einer Einwanderungswelle im 12. Jahrhundert kam das Christentum ins Land und 18 Kirchen wurden gebaut. Für Kulturliebhaber und Historiker sind diese eine Fundgrube historischer Einzelheiten.

Auch wirtschaftlich waren die Eiderstedter schon früh aktiv, Milch- und Käseprodukte standen im 16. Jahrhundert, Ackerbau im 17. Jahrhundert und im 19. Jahrhundert war man sogar europaweit bekannt für seine Rinderzucht und -exporte. Die Eiderstedter galten von je her als ein stolzes Volk, das sich nicht unterwerfen ließ.

Der für diese Halbinsel typische Bauernhof nennt sich „Haubarg“ und ist nur hier zu finden. Der wohl bekannteste und mit einer Teufelssage behaftete ist der „Rote Haubarg“ in Witzwort. Heute befindet sich dort ein Restaurant und Café und ist immer noch Anlaufpunkt für Einheimische und Gäste.

St. Peter-Ording, Tönning, Garding sind die größten Ortschaften der Halbinsel – letztere haben schon sehr früh ihre Stadtrechte bekommen - und halten so manche maritime, historische und heimatkundliche Stätten bereit, die es zu erkunden gilt. Tönnings historischer Hafen mit seinem alten Packhaus und seinen vielen gastronomischen Betrieben ist im Sommer ein beliebter Ausflugsort. Durch den alten Schlossgarten kommt man zum Marktplatz mit seinen – im holländischen Stil – erbauten Häusern, dem Marktbrunnen von 1613 und der St. Laurentius-Kirche.

Nimmt man die andere Richtung und geht es auf dem Deich entlang der Eider entlang zum „Multimar Wattforum“, das Ihnen das Wattenmeer, das Leben zwischen Ebbe und Flut und seine Unterwasserbewohner anschaulich und auch kindgerecht erklärt.

Für Naturliebhaber sollte ein Besuch im Naturzentrum „Katinger Watt“ Pflicht sein. Der NABU bietet hier auch geführte Wanderungen an, um die Vielfalt dieses Naturschutzgebietes richtig kennen und ganz sicher lieben zu lernen.

Die Grenze zwischen Eiderstedt und Dithmarschen bildet das Jahrhundertprojekt „Eidersperrwerk“ (1963-1973 erbaut) und schafft hier die Verbindung zwischen zwei Völkern, die sich zwischen 1400 und 1550 so manche Fehde lieferten. Inzwischen gibt es diese „Trennung“ zwar nur noch mit einem Lächeln, aber auch heute noch lassen sich Dithmarscher und Eiderstedter nur ungern in einem Atemzug nennen.

Kulinarisch hat Eiderstedt eine Menge zu bieten. Regionale Gerichte wie „Saure Rolle“, „Wiensupp un Schink“, frisch gepulte Krabben oder der „Mehlbüddel“ sind die bekanntesten. Berühmt ist Eiderstedt auch für sein „Eiderstedter Rind“, das ein eigenes Gütesiegel hat und bei Köchen und Gourmets ein Leuchten in den Augen hervorruft. Im Frühjahr sind auch in vielen Restaurants und Kirchspielskrügen Lammspezialitäten zu finden. Die saftigen Salzwiesen und die gesunde Natur sorgen dafür, dass das Fleisch besonders zart und schmackhaft ist.

Für alle Freunde von Sport und Fitness hält die Landschaft genügend Möglichkeiten bereit, sich aktiv zu betätigen. Radtouren auf flachem Terrain, Inline-Skaten, Reiten und auch Wanderrouten bieten sich hier an.

Wassersport ist auf einer von drei Seiten mit Wasser umgebenen Halbinsel schon selbstverständlich. Segeln, Surfen, Schwimmen, Angeln oder das berühmte Strandsegeln in St. Peter-Ording seien als Beispiele genannt.

Daneben gibt es die ganz „seltsamen“ Sportarten der Einheimischen: Klootstockspringen, Boßeln und Ringreiten sind heute noch beliebt und oft Bestandteil eines Volks- oder Dorffestes. Veranstaltungen gibt es das ganze Jahr hindurch auf Eiderstedt. Je nach Jahreszeit kann man mit Glühwein, Grog, Punsch oder kühlen Getränken anstoßen und mit den Einheimischen den Trinkspruch der Eiderstedterin Martje Flohrs ausrufen: „Et gah uns wohl up unse olen Dage“.*

(*Sinngemäß: „Es gehe uns auch weiterhin gut.“)